Warten auf den Sturm

Da sitzen wir jetzt in unseren Häusern. Es ist Mittag, die meisten sind zuhause. Aber morgens geht es schon los – man sieht sich im Sparmarkt, tauscht Informationen. Jeder weiss etwas, aber keiner weiss Bescheid – nur … es soll was kommen.

Alles ist verstaut, die Polizei fährt mit der Freiwilligen Feuerwehr über die Insel, kontrolliert Gefahrenstellen. Spätestens dann überlegt man, ob man alles richtig verstaut und gesichert hat. Aber klar – man ist ja noch ganz entspannt – ein paar Witze – alle lachen. Alles wird gut !!!

Um 13:00 ist Hochwasser, da sehen wir uns dann, vorne bei Wietjes – Alles wird gut !!! Ok, zu Wietjes kann man nicht, ist ziemlich viel Wind, also zum Schart bei Reemt an der Fresena und dann …. uuups – ziemlich viel Wasser. Macht eigentlich nichts, nicht wirklich ungewöhnlich, aber der Wind – das Wasser wird auch bei Ebbe nicht ablaufen – und es gibt noch wenigstens noch zweimal Flut, bis der Wind nachlässt – und das Wasser steht weiter vor der Insel. Und die Prognosen sind wie das Pfeifen im Wald – 2,5 oder 2,8 oder doch mehr ale 3,0m über NN – was kann man tun? Nichts, abwarten, ab aufs Sofa – die Frage ist nur Tee oder Schnaps.

Keine Wippen am Anleger

Es wird sehr ruhig auf der Insel und wenn man zum Hafen kommt, ergibt sich ein völlig anderes Bild als in der Saison – der Anleger ist leer, keine Wippen, keine Gäste, dafür Baumaterial.

Ich kenne wieder fast jedes Gesicht auf der Insel – gut, abgesehen von den paar Eigentumswohnungsbesitzern, die es auch im Winter nach Baltrum verschlägt – Eigentum verpflichtet. Zu erkennen sind sie prima an den brandneuen Fahrrädern mit wenigstens 24-Gängen-Kettenschaltung und LED-Beleuchtung, einfach Klasse für die Insel …

Bei uns hängt an jeder Wohnungstür ein Zettel mit Arbeitsaufträgen für Ewelina und mich, mit jeweils einem Kästchen zum Abhaken – ansonsten kommen wir völlig durcheinander und keiner weiss, was schon erledigt ist – zusätzlich am Schreibtisch für jeden Handwerker die Liste mit den Aufträgen.

Ich will dann mal weiterarbeiten – Häkchen machen – aber Zeit für einen Gang mit dem Hund und Fotos bleibt natürlich auch noch.

Die Saison ist vorbei

Aber die Gäste sind doch noch da…?

Ja, aber für die richtigen Insulaner – das sind die, die mit Booten aufgewachsen sind – gibt es nur zwei Jahreszeiten: Die Boote liegen im Wasser oder die Boote liegen an Land.

Boote liegen, der Laie möge da keine Fehler machen, fast immer. Im Wasser, an Land, auf Reede, in der Werft, auf dem Trailer, auf dem Meeresboden und … nein, ich glaube, sie schwimmen Kiel oben – aber da werde ich mal Papa Dalton fragen müssen – und das gegebenenfalls korrigieren.

Wie auch immer, die Boote sind raus. Der BBC Baltrum hat keine Slip-Anlage – wo häufig über eine Rampe der Trailer ans Wasser gelassen wird und mit einer Winde das Boot auf den Trailer gezogen wird und da, na? ….. genau, da liegt es dann.

Aber es gibt Harm – und Harm hat einen Bagger. Harm holt dann die Boote mit dem Bagger aus dem Hafenbecken. So weit, so gut.

Teil Zwei ist dann das Bergen der Stege – eine verpflichtende Angelegenheit, die bei Abwesenheit mit einem Strafgeld geahndet wird – immer Wind und Wetter vorbehalten. Die Aufgaben sind dabei – glaube ich zumindest inzwischen – klar verteilt. Die Einen lösen die Stege, Andere ziehen sie an Land, wieder Andere bringen sie in Position und dann kommt schweres Gerät zum Einsatz, der Bagger und zwei Radlader, und transportieren die Stege zum Bootsclub, wo sie so gelagert werden, dass sie im nächsten Jahr genau so wieder ins Wasser können. Über den Winter müssen noch einige Hölzer getauscht werden, hier und da wird geschweisst. Ja und dann … wird natürlich gemosert, wenn das Bier nicht kalt, die Salate noch nicht da sind, oder das Fleich noch nicht fertig ist.

21:04 Kleine Ergänzung für die Interessierten: Papa Dalton sagt, dass ein gutes Schiff untergeht, aber ja, ein schlechtes Schiff schwimmt Kiel oben.

Sanddorn – Aus bitter wird süß

Die Kinder sind ja bekanntlich aus dem Haus, von daher kann meine Frau häufiger auf der Insel sein. Und was machen kinderlose Eltern, wenn sie Zeit haben – spazieren gehen – Vögel ansehen – im Garten pusseln … behaupten zumindest unsere Kinder.

Es ist aber auch zu schön über die Insel zu laufen. Zur Zeit ist es eine orange Pracht, der Sanddorn ist reif – und, logisch, dann die Überlegung: „Man müsste doch eigendlich mal wieder…“. Pflücken dürfen, wenn ich es richtig weiß, nur die Insulaner für den Eigenbedarf, denn Sanddorn steht unter Naturschutz. Die Beeren kann man von der Pflanze fast nicht abbekommen, sie sitzen zu fest – eine riesen Sauerei. Früher wurden zwei Bretter mit einem Scharnier verbunden zu einer Presse – immer noch eine Sauerei, die tunlichst nicht in der Küche stattfinden sollte. Heute packt man alles in eine Tüte und ab in die Truhe – gefrieren lassen, dann geht es.

Rezepte gibt es viele … Meine Frau ist eher für Marmelade – ich für Likör. Aber da ich schreibe, ein Rezept für Sanddornlikör.

Man nehme: 750g Sanddorn – 250g braunen Zucker (braun wegen der Farbe) – eine Flasche Wodka, Rum oder billigen Schnaps (ich nehme nie Rum, da der durchschmeckt) – eine Vanilleschote. Der Rest ist ganz einfach – alles in eine Flasche zusammenfüllen, schütteln und dann sieben bis acht Wochen an einem sonnigen Platz stehen lassen – zwischendurch schütteln. Dann alles abgießen und in eine schöne Flasche umfüllen – fertig. Vor dem Verzehr noch einmal schütteln, da sich das ganze immer wieder entmischt.

Viel Spass, aber man kann den Likör natürlich auch kaufen.

Herbst auf der Insel

Bei uns ist das Wetter immer gut

… ja, wer jetzt auf der Insel sein kann. Es ist Regen angesagt, aber es scheint die Sonne. Es ist Sonne angesagt und, ja natürlich, es scheint die Sonne.

Gut, die Nächte werden langsam kalt, aber dafür gibt es einen wunderschönen Sternenhimmel – und tagsüber kann man prima im Pullover draussen sitzen. Wobei das Temeraturempfinden der Gäste schon sehr unterschiedlich ist. Während die Einen in Badehose windgeschützt auf der Terasse liegen, kaufen Andere bei Stadtlander Handschuhe und Mützen.

Sehr schön sind die langen Spaziergänge am Strand und durch die Dünen – auf dem Rückweg ein kleiner Abstecher im Ostdorf bei Feldmanns und dann zum Tee nach Hause.

Im Accummer Ee hat für einige Tage ein Saugbagger gelegen – hat etwas gedauert, bis ich begriffen hatte, was das war – und hat auf Langeoog Sand angespült – die müssen eben auch etwas für den Schutz der Insel tun.

Baltrum wählt den Bundestag (2)

und hier die versprochenen Wahlergebnisse

Ja, ich wollte schon gestern schreiben – ich weiss, aber manchmal läuft es anders als gedacht.

Zum Ergebnis: die CDU kommt auf 48%, die Inseln sind eher schwarz, das Festland rot – die SPD erreicht 27,5%, liegt also im Schnitt. Die FDP landet bei 10,4%, weit über dem Bundesdurchschnitt. Das verwundert bei einem Eiland, das nur von Vermietung lebt aber weiter nicht, wenn man bedenkt, dass auf die Vermietung von Wohnungen und Hotelzimmern seit 2009 nur ein MwSt Satz von 7% fällig wird. Die Grünen erreichen 13,1% – zugezogene Aussteiger und überzeugte Insulaner und die knapp 5% der Linken kann ich auch nicht zuordnen.

Wie gesagt, es ist schön, die meisten Wähler persönlich zu kennen.

Zum Auszählen der Stimmen sind immer schon einige Insulaner anwesend – die Feuerwehr hat immer ein Bier im Kühlschrank – brennen und löschen halt! – dafür gibt es dann auch immer eine kleine Spende. Das Zählen geht flott, um 18:45 ist alles erledigt, die Wahlanalyse kann beginnen.

Ach ja, das Sparschwein der Wahlhelfer – wir gehen Mittwoch bei Wietjes essen, das Lokal wurde gelost – und der Rest wie immer gespendet.

Baltrum wählt den Bundestag

Wahlbetrachung auf der Insel

Schulungsraum der Freiwilligen Feuerwehr – auch auf der Insel wird gewählt, 426 Wahlberechtigte leben auf Baltrum, die zur Wahl stehenden Parteien sind bundesweit bekannt – soweit ist alles, wie auf dem Festland. Aber einiges ist doch etwas anders … bei den meisten, weiss jeder, was gewählt wird.

Um 7:30 treffen sich die Wahlhelfer, dann wird festgelegt, wer die erste und wer die zweite Schicht übernimmt, jeweils aus drei Personen bestehend. Ab 8:00 ist wie überall das Wahllokal geöffnet. Die Wahlhelfer sind immer die Ersten die wählen um den Neuen den Ablauf der Regularien zu demonstrieren. Schön ist, dass man fast alle kennt, die Stimmung ist prächtig, für ein Schwätzchen ist auch Zeit. Üblicherweise steht irgendwo ein Korb, in den eine kleine Spende gelegt wird – davon gehen die Wahlhelfer in den nächsten Wochen Essen und der Rest wird gespendet.

Sie möchten das Ergebnis der Wahl wissen – ich auch, heute abend um 18:00 wird ausgezählt. Anschliessend werden die Ergebnisse diskutiert – immer noch in der Feuerwehr. Wie lange das dauert, weiss ich noch nicht, aber spätestens morgen werde ich die Ergebnisse verbreiten.

Ich wünsche allen einen schönen Sonntag und bin gespannt.

Was machen Insulaner eigentlich wenn …

Verschnaufen zwischen Sommer- und Herbstferien

…, ja was machen die dann?

Auch wenn es anders aussieht, die Hauptsaison ist anstrengend. Es macht Spass, keine Frage, die Insel ist voll, überall Kinder, Trubel, Bewegung, Leben – aber zehn Wochen ohne Wochenende gehen nicht spurlos an einem vorbei. Und dann sind alle wieder zu Hause, alles erscheint leer – vier Wochen bis zu den Herbstferien sind zu überbrücken, wobei leer in unserem Fall bedeutet, dass wir nur acht Wohnungen belegt haben.

Also was tun? Mit den Menschen sprechen, die man in den letzten Wochen nur am Anleger oder kurz auf eine Weinschorle getroffen hat – es gibt wieder Rats- und Parteisitzungen, da darf man dann mal so richtig offen rüberkommen. Zwischendurch nach Oldenburg fahren und dort Freunde treffen oder ins Kino gehen. Zusätzlich kleinere Reparaturen, die liegen geblieben sind, hier hängt eine Schranktür, da ist ein Bezug nicht in Ordnung, ein bisschen WD40 an die Scharniere, da sollte doch immer noch ein kleiner Schrank hin oder ein Regal angebracht werden.

Ja, und dann der Luxus – spazieren am Strand – zu der Tageszeit, an der das Wetter am besten ist, Bilder machen, hinsetzen – auf´s Wasser sehen, den alten Hund immer dabei. Dabei aber immer schon die Planungen für den Winter im Kopf durchspielen.

…, ja und dann, dann sind Herbstferien, die Häuser sind voll, die Kinder toben durch den Flur, Trockner und Waschmaschine laufen den ganzen Tag, weil die Gäste bei Wind und Wetter am Strand unterwegs sind – ich freue mich schon.

Mit Blick nach oben

Vom 05. bis zum 13. Oktober können Sie die 5. Zugvogeltage auf unserer Insel erleben, denn auch Baltrum bietet eine breite Palette an Veranstaltungen zu diesem Thema.

Interesse? Dann schauen Sie doch einfach mal im Veranstaltungskalender für Baltrum nach. Oder testen Sie Ihre Vogelkenntnisse mit einem kleinen Quiz. Den Link zum Quiz finden Sie unterhalb dieses Textes.

So wie jeden Dienstag

Rituale erleichtern das Leben – auf Baltrum ist eins davon der Sperrmülltag

 

Ja, dienstags zwischen 14:00 und 16:00 tobt das Leben an der Deponie. Es ist ja immer etwas kaputt und muss entsorgt werden und es gibt immer noch eine Ecke, in der man Dinge aufbewahrt, die vielleicht noch zu gebrauchen sind. Manches Teil habe ich bestimmt fünf mal in der Hand, bevor sie dann doch entsorgt wird. Dafür trifft man immer den Einen oder Anderen, den man schon länger micht mehr gesehen hat. Die Zeiten, in denen die >alten Insulaner< mit zwei Teilen auf der Wippe vorgefahren sind und mit vier noch >wirklich guten Teilen< wieder nach Hause kommen, sind inzwischen auch auf der Insel vorbei. Was sich auch ändert – und nicht unbedingt zum Guten – ist, dass Zweitwohnungsbesitzer zu Dritt mit einer Kaffeemaschine anrücken – „Wir haben eine Wohnung hier!“ – und nach getaner Arbeit ein Bierchen für Papi, einen Prosecco für Mutti und eine Cola für den Kleinen aus der Jutetasche holen und den Insulanern bei der Arbeit zusehen – na dann Prost.